

Das Gesamtwerk Wolfgang Hohlbeins umfasst mehr als einhundertfünfzig immer wieder neu aufgelegte Romane. Dabei treibt den mehrfach preisgekrönten Bestsellerautor eine ungeheure Schreiblust voran. Hier gibt er exklusiv Einblick in die Entstehungsgeschichte seines im Jahre 2006 erstveröffentlichten Romans "Das Paulus Evangelium".
"Die Idee zu einem Roman wie 'Das Paulus Evangelium' hatte ich schon vor vielen Jahren, und zwar zur der Zeit, in dem ich die Arbeiten an meinem Buch 'Der Inquisitor' abschloss. Ein spekulatives Thema zu einem verschollenen Evangelium? Wenn ich mit diesem oder einem ähnlichen Thema bei einem meiner Verleger vorstellig wurde, erntete ich Stirnrunzeln. Offensichtlich war die Zeit dafür noch nicht reif, zumindest nicht für einen deutschen Autor, der sich seine Lorbeeren bislang vor allem im phantastischen Bereich verdient hatte. Es bedurfte vieler Jahre und der großen Dan Brown Erfolge, bis mein erneut vorgebrachter Themenvorschlag nicht auf Stirnrunzeln, sondern auf nachhaltige Begeisterung bei Verlagen und Fernsehsendern stieß.

Fairerweise muss ich sagen: So, wie ich 'Das Paulus Evangelium' jetzt geschrieben habe, hätte ich es weder in den 80er, noch in den 90er Jahren zu Papier bringen können. Dieser Thriller um ein lange Zeit verschollenes Evangelium schildert den menschenverachtenden Ehrgeiz Kardinal di Milanis - aber es ist auch die Geschichte der Kölner Hacker Marc und Guido, die auf ganz ungewöhnliche Weise in einen geheimen Vatikan-Rechner eindringen und sich dabei mit Mächten anlegen, denen sie nicht gewachsen sein können.

Wenn da nicht die Liebe wäre ... Jezebel, die attraktive Schwester von Bruder Johannes, dem besten Freund von Marc, ist für diesen im wahrsten Sinne des Wortes eine Offenbarung. Und das gleich in doppelter Hinsicht ... Aber ich merke, ich schweife ab, gehe bereits viel zu sehr in die Details.

Wovon ich berichten will, ist viel mehr der Schaffensprozess dieses Werks, dessen ersten Ideen ich schon vor vielen Jahren skizzierte. Zum einen, weil er mich viel länger in Anspruch genommen hat, als ich geglaubt habe; was daran liegen mag, dass der Roman schlussendlich doppelt so lang wurde wie geplant. Zum anderen, weil ich mit großem Vergnügen zwei unterschiedliche Handlungsstränge miteinander verwoben habe - die, wie mir Verleger Mike Schweins versicherte, jeder für sich genommen "das Zeug zu einem wirklich großen Thriller" gehabt hätten.

Wie auch immer: Ich muss gestehen, dass mich 'Das Paulus Evangelium' beim Schreiben und Recherchieren immer stärker faszinierte. Manches Detail habe ich dabei auf den Prüfstand meiner Kollegen Bernhard Hennen und Dieter Winkler gestellt - Bernhard hat als studierter Historiker und Archäologe viel zur historischen Seite beitragen können, Dieter war von Studium und Werdegang mein Ansprechpartner für die technische, die Computerseite. Auf einen größeren Expertenstab wie manch amerikanischer Kollege habe ich hier allerdings verzichtet, zu sehr besteht meiner Meinung nach die Gefahr, sich in Nebensächlichkeiten zu verlieren, die die eigentliche Geschichte nicht voranbringen.

Doch das, ich gebe es gerne zu, ist die Frage der Herangehensweise an einen Stoff, die jeder Autor für sich selbst beantworten muss. Ich persönlich ziehe meine Kraft zum Schreiben sowohl aus der Grundidee als auch aus dem Schicksal der Menschen, die ich entwickle, und die sich dann während des Schreibprozess oft hartnäckig weigern, den von mir ursprünglich eingeschlagenen Weg zu verfolgen und alles durcheinander bringen, bis schließlich etwas ganz anderes herauskommt als ich mir ursprünglich vorstellte.

Womit ich wieder bei Jezebel wäre ... Nein, ich verrate an dieser Stelle nicht, was sie mit Marc und dem Paulus Evangelium zu tun hat. Und schon gar nicht will ich mich hier auf die Beantwortung der Frage einlassen, was einen Priester wie den düsteren Alberto dazu bewegen kann, im Zweifelsfall eher zur 38er als zur Bibel zu greifen. Viel mehr will ich meiner Hoffnung Ausdruck verleihen, dass ich Sie mit meinem fiktiven Thriller für ein paar Stunden in eine Welt entführen kann, in der alles möglich und nichts sicher ist.
Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen

Wolfgang Hohlbein
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